Als ich mir im Dezember zum ersten Mal Gedanken über mein Motto für 2023 machte, las ich noch einmal meinen Blogartikel zu meinem Motto 2022 ‘Rock’n Rule’. Und ich kam zu der Erkenntnis: Im Prinzip hatte sich nichts geändert. Auch im neuen Jahr wollte ich mein Business nach meinen eigenen Regeln weiterentwickeln und dabei sinnbildlich so lange tanzen, bis das Herz leicht ist und die Beine schwer… Bis zum 2. Januar dachte ich darum auch, dass 2023 folgende Überschrift bekommen sollte: Rock’n Rule 2.0 Der Blogartikel dazu war im Kopf schon fast geschrieben. Und hätte sich unsere zweite Tochter nicht vom Christkind gewünscht, fliegen zu können, ich wäre wirklich zufrieden gewesen und sicher, einen geeigneten Kompass gefunden zu haben für die kommenden zwölf Monate. Wenn da eben nicht dieser Weihnachtswunsch gewesen wäre…

Ein Weihnachtswunsch

Schon im Dezember hatte ich nach einer Möglichkeit gesucht, unserer Zehnjährigen den Traum vom Fliegen zu Weihnachten zu erfüllen – aber eben nicht in einem Flugzeug, sondern wirklich selbst. “Wie ein Vogel” stand auf ihrem Wunschzettel. Nach ein paar Recherchen fand ich heraus: nur eine gute Stunde Fahrt von uns entfernt gibt es im Windwerk in Winterthur* ein Indoor Skydiving, also einen Fallschirmsprung im Windkanal. Gefunden. Gebucht. Und zwar für die ganze Familie. Durchaus mit gemischten Gefühlen, denn ich bin in Sachen Höhenangst eine lebenslange Expertin und halte mich von Extremsport, Riesenrädern und Achterbahnen kategorisch fern. Meine Angst nahm noch zu, als ich dann am 3. Januar live und in Farbe sehen konnte, wie andere in dem 17 Meter hohen Tube aus Glas ihre 60 Sekunden-Flüge absolvierten. Was kurz klingt, entspricht immerhin einem Fallschirmsprung aus über 4.000 Metern Höhe. Okay, das war so ziemlich gar nicht meine Vorstellung von Familienausflug. Aber nun gut. Mitgehangen, mitgefangen (und klar, ich will halt auch eine coole Mama sein…;-)). Nach einer kurzen Instruktion schlüpfte ich in meinen türkisen Fluganzug, zog die Brille fest und packte den Helm über meinen Kopf und den Hörschutz – Wind ist laut, wenn er mit 160 bis 280 km/h um die Ohren pfeift. Und dann saß ich auch schon in der Schleuse zum Tube und sah meinem Mann und unseren drei Mädels bei ihren ersten Flügen zu. (Unser Jüngster war noch zu jung, aber es gab auch so genug zu schauen.) Und dann war ich dran. Arme hoch und in den Wind fallen, wie bei einem echten Fallschirmsprung. Ich hatte keine Zeit nachzudenken.

Erst fallen, dann fliegen.

Auch heute, ein paar Tage später, kann ich noch nicht wirklich viele Worte finden, die dieses – ja ‘unbeschreibliche’ Gefühl wirklich greifbar machen. Keine Milisekunde hatte ich Angst. Stattdessen aber ganz offensichtlich genügend Körperspannung, sodass unser Instructor, der im Kanal für unsere Sicherheit in der Luft sorgte, mich immer wieder für ein paar Sekunden loslassen konnte. Ich habe mir das Foto, das in einem dieser Momente entstanden ist, seitdem ein Dutzend Mal angeschaut. Ich war lange nicht mehr so glücklich. Wie ein Luftballon komplett mit Glück aufgeblasen fühlte ich mich. Beim zweiten Flug durfte ich mit Unterstützung im Tube bis ganz nach oben. Die Höhe war nicht nur kein Problem, sie war vollkommen irrelevant.  Auf der Rückfahrt sagte ich zu meinem Mann, dass dieses Erlebnis für mich eine absolut philosophische Komponente hat. Wieder einmal in eine völlig neue Welt eintauchen, etwas wirklich Neues erleben, das entspricht meiner DNA. Und natürlich habe ich das schon so oft selbst aus den Augen verloren.  Statt mich nämlich zu fragen, wie ich meinem Bedürfnis auf eine sinnvolle Art genüge, gehe auch ich häufig einer sehr gefährlichen Frage ins Netz: “Wie macht man das?”. Für 2023 ist nach meinem Flugerlebnis vollkommen klar: Die Frage muss stattdessen lauten “Wie mache ICH das?” Und meine Antwort ist ebenfalls klar:

Im Zweifel Fliegen!

Vielleicht klingt es für dich banal, aber für mich sind das Erkenntnisse, die mich ganz tief erfasst:

  1. Fliegen geht nicht nur ganz weit oben, sondern auch nur einen Meter über dem Sicherheitsnetz.
  2. Ich muss es nicht alleine können, damit es sich gut anfühlt (oh ja, dieses ‘Ich muss alles alleine schaffen’, daran darf ich mich auch weiterhin abarbeiten…).
  3. Ich muss nicht sofort aus einem Flugzeug springen. Manchmal genügt es, mit meiner Familie an einem 3. Januar in die Schweiz zu fahren und für 120 Sekunden zu fliegen.

Was mein Motto für mein Business bedeutet

Wenn ich 2023 vor Entscheidungen stehe, möchte ich mich immer wieder an diesen 3. Januar erinnern. An das Gefühl, mich in den Wind fallen zu lassen und zu fliegen. An das Glück, das mich ganz ausgefüllt hat, bis in die Ecken hinein, in denen Sekunden zuvor noch meine Angst hockte. Dabei geht es mir nicht nur um große, abenteuerliche Erlebnisse, sondern auch um die vielen kleinen Entscheidungen, bei denen ich mehr wagen könnte. Mich mehr fallenlassen, mehr darauf vertrauen, dass ich fliegen kann. Zu meinem Geburtstag im August wünsche ich mir die ersten 10 richtigen Flugstunden im Windkanal;-) Und das mit dem Fallschirmsprung ist übrigens auch eine spannende Entwicklung. Vor dem 3. Januar lachte ich nur abwehrend bei der Vorstellung, dass ich das irgendwann wollen könnte: aus einem fliegenden Flugzeug springen. Seit 3. Januar denke ich immer öfter: wieso eigentlich nicht? Wieso eigentlich nicht. Das passiert dann wohl, wenn wir die vermeintlich kleinen Abenteuer wagen. Denn im Zweifel kann ich ja einfach Fliegen. Hast du auch ein Motto für 2023? Dann verrate es mir doch gerne in den Kommentaren. Falls du sogar einen Blogartikel dazu geschrieben hast, verlinke ihn gerne – ich liiiiiiebe persönliche Blogartikel! *Disclaimer: In diesem Beitrag erwähne ich das Windwerk in Winterthur. Für diese Namensnennung wurde ich weder beauftragt, noch bezahlt.