Was für ein Sommer! Was für ein Sommer?

Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die dieses Jahr vergeblich auf den Sommer 2021 gewartet haben. Der war hier in meiner Heimat am Schwarzwaldrand nämlich eher nix. Und nicht nur in Sachen Wetter, sondern auch mit Blick auf all die Ereignisse dieses Sommers war es schwer, wirklich ein sommerleichtes Gefühl zu haben.

Gleichzeitig durfte ich mit meiner Familie einen grandiosen Sommer erleben. Fast fünf Wochen unterwegs sein, frei von Terminen und Druck. Mit ganz viel Sonne und Meer und lauen Abenden und Eis und eben genau diesem sommerleichten Gefühl, das ich mit den Sommermonaten verbinde.

Diese beiden Seiten gehören zu ein und derselben Medaille. Zum Sommer 2021. Ein Rückblick.

(Übrigens: Ganz viele Bilder vom Sommer 2021 findest du auf meinem Instagram-Profil in den Highlights.)

Ein Sommer unterwegs

Der Sommer 2021 war für uns schon lange geplant als „Sommer unterwegs“. Wir hatten direkt am ersten Ferienwochenende Ende Juli (Baden-Württemberger Spätferien…) eine Hochzeitseinladung nach Österreich – ein perfekter Auftakt, denn wir planten ohnehin, den August in Griechenland zu verbringen. Und wir wollten von Italien mit der Fähre fahren. Da lag Kufstein exakt auf unserer Route. Wenn das kein Zeichen war!

Also hieß es Auto vollpacken. Mit vier Kindern zwischen zwei und elf kommt was zusammen, aber wir sind eher Spar-Packer und haben da schon unsere Routine. Bis dann alles und alle im Auto waren… okay, den Punkt überspringen wir. Und fassen einfach zusammen:

Am 29. Juli 2021 hieß es für uns offiziell: ab in den Urlaub!

  

Über Österreich (und einer wunderschönen Hochzeit mit vielen Wiedersehen) ging es am 1. August nach Italien. Dort konnten wir uns langsam an die sommerlichen Temperaturen gewöhnen. UND am Meer sein! Ich bin ehrlich: ohne Meer ist für mich kein Urlaub. Echter Urlaub ist für mich am Meer. (Vielleicht, weil ich erst mit 15 das Meer zum ersten Mal gesehen habe. Das wäre dann ein Fun Fact, über den ich gerade selber schmunzeln muss. Heute: unvorstellbar!)

Vier Tage Dolce Vita, und dann ging es auch schon weiter: eine Nacht auf der Fähre ab Ancona. Die Überfahrt war ehrlich gesagt nicht so toll. Viel Wind, viel Dreck, eher gar nichts für Zweijährige, die auf dem Boden unterwegs sind und alles anpacken. Wir haben das Beste draus gemacht und für die Rückfahrt Konsequenzen gezogen (dazu später mehr).

  

(H)Eis(s), (H)Eis(s), Baby

Nach einer unruhigen Nacht war also Land in Sicht. Griechenland. Beim Ausstieg aus dem klimatisierten Schiff war vor allem eines sofort klar: das wird heiß. Genauer: 42 Grad Celsius. Wie gut, dass wir dieses Mal nicht wie sonst ein paar Stunden in die Berge zur Familie meines Mannes fuhren, sondern direkt einen Zwischenstopp an der Westküste nur eine Stunde entfernt geplant hatten.

Wir sind eigentlich unternehmungslustig, aber die Hitzewelle hat auch uns dazu gebracht, vor allem Abkühlung im Wasser zu suchen, uns lange Mittagspausen im kühlen Zimmer zu gönnen und dafür die Nacht zum Tag zu machen. Ein besonderes Highlight für mich allein war das Frühstück in unserem kleinen Hotel. Ich konnte morgens mit Blick aufs Meer auf der Terrasse sitzen, mir einen Kaffee schmecken lassen und in Ruhe lesen, bevor die Langschläfer:innen sich nach und nach zu mir gesellten. Ich liebe diese ruhigen Momente. Denn sind erstmal alle wach, gibt es nur noch wenig Pausen.

Wir waren inzwischen etwas mehr als eine Woche unterwegs. Zeit, in die Berge aufzubrechen, mitten ins griechischen Nirgendwo und zur Familie meines Mannes. Hier ist für uns alles wie zuhause, nur eben griechisch. Die beiden Großen laufen morgens zum Bäcker, wir kennen die Nachbarn, die Cafés und die Geschäfte. Wir können Wäsche waschen, Verwandte besuchen und ich empfinde die Tage dort als Alltag light.

  

Es fühlt sich eigentlich ganz normal an – aber eben viel leichter, entspannter, sommerleicht.

Es war immer noch sehr heiß, und es gab (wie jedes Mal) einiges zu tun: eine Putzaktion, ein paar kleine Reparaturen in der Wohnung meiner Schwiegereltern (die leider nicht mehr leben) und organisatorische Themen. Und nachdem wir tatsächlich sogar einen Ausflug zu einem wunderschönen kleinen Wasserfall ein paar Kilometer weiter gewagt hatten, waren zweieinhalb Wochen um, und wir packten wieder alle und alles ins Auto und fuhren an die Ostküste, auf die Halbinsel Pilio. Hier waren wir vor drei Jahren , als ich mit unserem Jüngsten schwanger war. Ich fand es schon damals wunderschön. Obwohl mir dauernd schlecht war. Und wie schön es dieses Jahr war, so ganz ohne Übelkeit!

Mein persönliches Paradies

Zehn Tage Seele baumeln lassen, am Strand sein, in die Wellen oder in den Pool der kleinen Appartmentanlage hüpfen, abends in einer der drei Dorftavernen essen – oder eben Gyros am Strand. Ich war in meinem Paradies. Die Anfahrt ist sehr umständlich. Für die letzten knapp 40 Kilometer der Strecke braucht man mit dem Auto gut anderthalb Stunden über die kurvigsten Straßen, die ich kenne. Und auf dem höchsten Punkt gibt es sogar einen Skilift mit Blick aufs Meer. Das ist echt krass.  Das Dorf ist wegen seiner Abgeschiedenheit angenehm ruhig. Fast nur Einheimische aus den umliegenden Orten und ein paar Touristen, viele Familien wie wir, mit einem griechischen Elternteil, die im Urlaub Verwandte und Freunde besuchen.

  

Zwischendurch durfte ich meinen Geburtstag feiern. Mit Torte und mitgebrachten Geschenken unserer Kinder und einem Geschenk an mich selbst. Denn in der terminfreien Zeit hatte ich plötzlich ganz viel Platz für neue Ideen in meinem Kopf – und deren Umsetzung.

Pünktlich zu meinem Geburtstag veröffentlichte ich meine Multipreneur Masterclass.

Gemeinsam mit meiner tollen Mentorin Jenny Watzka konzeptionierte ich auf der schattigen Terrasse, baute die Landingpage, feilte an der Präsentation und nahm schließlich auf. So viel Neues habe ich ausprobiert: Schneiden, auf YouTube einen Kanal einrichten. Ich war so stolz, dass ich es quasi ‚in der Mittagspause‘ geschafft hatte, in meiner Sommerpause ein so großes Stück Inhalt zu kreieren. (Falls du neugierig bist und die kostenlose Multipreneur Masterclass anschauen möchtest: hier kannst du dich anmelden und bekommst direkt Zugriff.)

  

 

Es fiel mir unheimlich schwer, nach zehn Tagen wieder aufzubrechen, diesen wunderbaren Ort hinter mir zu lassen. Am liebsten hätte ich verlängert. I’ll be back – und ich bin gespannt, was ich mir dann auf der Terrasse ausdenke;-)

Zum Abschluss noch ein Roadtrip

  

Waren wirklich schon vier Wochen um? Wir alle konnten es kaum glauben und hatten noch so gar kein Heimweh. Aber nach ein paar weiteren Tagen zurück in den Bergen (und ein paar Bergen Wäsche) entschieden wir uns, die Heimfahrt mit dem Auto zwei Tage früher als geplant anzutreten. Ohne Fähre.

Die Heimreise wurde zum Abschlussabenteur: 6 Menschen, 24 Stunden, 7 Länder, 2.000 Kilometer.

Wir starteten nachts um 4 Uhr griechischer Zeit (3 Uhr in Deutschland). Im Morgengrauen und den frühen Morgenstunden ging es durch spektakuläre Landschaften in Nordmazedonien und im Süden Serbiens. (Wird gespeichert für eines der kommenden Abenteuer.) Es war wirklich so schön, dass wir aus dem Staunen nicht mehr herauskamen. Nach acht Stunden hatten wir Belgrad erreicht und machten die erste große Pause. Weiter ging es nach Kroatien und dann durch Slowenien. Die Grenzkontrollen waren etwas ganz anderes als das übliche ‚Durchgewunken werden‘, das ich innerhalb der EU kenne. Lange Wartezeiten, Pässe prüfen, Stempel und strenge Blicke, das Ganze bei jedem Grenzübertritt zwei Mal (einmal für die Ausreise aus Land A, einmal für die Einreise in Land B ein paar Meter weiter).

Vor dem Karawankentunnel haben wir Erwachsenen ein paar Nerven verloren. Die Kids waren die ganze Zeit bester Laune. Am frühen Abend kamen wir in Österreich an, um Mitternacht führte und das Navi an einem Stau vorbei und schwups, da waren wir in einem kleinen Dorf plötzlich über einen Grenzübergang gehuscht. Zurück in Deutschland. Die letzten vier Stunden fühlten sich an wie der allerzäheste Kaugummi. Aber wir kamen an. Um 3 Uhr deutscher Zeit, fast auf die Minute genau nach 24 Stunden, und fast auf den Meter genau nach 2.000 Kilometern. Mein Bett hat sich selten so gut angefühlt!

Noch ein paar Gedanken

Zerstörerische Überschwemmungen in Deutschland, Krieg und Verzweiflung in Afghanistan, verheerende Waldbrände in Griechenland, eine nach anderthalb Jahren immer noch allgegenwärtige Pandemie – dieser Sommer war einer, der für mich die Extreme unserer Existent beschreibt. Die Nachrichten zu lesen und gleichzeitig im Urlaub das Leben mit meiner Familie in vollen Zügen genießen zu können, das passt nicht. Und doch existiert beides.

Was mir an all diesen großen Themen am meisten Angst macht, ist die Spaltungen, ist der offene Hass zwischen Menschen mit unterschiedlichen Überzeugungen. Dieser Hass bringt nichts weiter hervor außer noch mehr Hass. Hass macht Kommunikation, macht Verständnis und Akzeptanz unmöglich. Er ist absolut destruktiv.

Hinzunehmen und auszuhalten, dass Dinge gleichzeitig sind, die sich eigentlich ausschließen, und dabei zu erkennen, wo wir selbst etwas tun können, um unsere Werte zu leben, das ist für mich die Herausforderung dieser Zeit. Das war der Sommer 2021.