Du musst Reels machen!

Seit einigen Monaten sind Reels aus der Welt des Social Media Marketings nicht mehr wegzudenken – und ich hatte mir in meiner Ideenliste immer wieder notiert, dass ich dieses Format bei Instagram unbedingt ausprobieren möchte. Ich hatte Ende 2020 sogar mein erstes Reel veröffentlicht, nur um es einige Wochen später wieder zu löschen, weil es mir einfach peinlich war. Dabei wollte ich doch unbedingt die so hoch gepriesene zusätzliche Reichweite nutzen, mal was Neues ausprobieren.

Reel…what?

Falls Reels für dich noch nicht so präsent sind, hier eine Definition:

Instagram selbst beschreibt Reels als „kurze und unterhaltsame Videos“, und als „15-sekündige Multi-Clip-Videos […] mit Ton, Effekten und neuen Kreativtools“.

In der Realität entstehen so oft Tanz-Videos, bei denen zur Musik geschnippt oder geklatscht wird, während Textbausteine aufpoppen. Oder Audios aller Art werden in Bauchredner:innen-Manier nachgesprochen. Es gibt jede Menge sehr kreative und sehr aufwändig produzierte Lösungen. Aber es gibt in meinen Augen auch sehr viele Reels, die aufgesetzt und unauthentisch wirken. Oft habe ich dann das Gefühl, diese Videos sind entstanden, um bei einem Trend dabei zu sein – ohne sich zu fragen, ob das Format überhaupt passt. Und ich habe für mich beschlossen: zu mir passt das Format in dieser Form nicht. Punkt.

Oder doch nicht?

Warum Instagram Reels?

Irgendwie habe ich die Reels nicht aus dem Kopf und meinen Ideenlisten bekommen. Und auch ich habe mir die Frage gestellt:

Warum will und soll ich ein Format nutzen, das ich so, wie es meist umgesetzt wird, nicht mag?

Die Antwort war zunächst eine ganz und gar Marketing-orientierte. Denn Reels haben momentan (noch) einen entscheidenden Vorteil gegenüber klassischen Postings: sie haben eine viel größere Reichweite. Und diese Reichweite ist für mich wichtig. Denn Instagram ist die Social Media Plattform, auf die ich mich fokussiere. Und es ist sinnvoll, mich mit den Funktionsweisen auseinanderzusetzen und meine Inhalte so zu gestalten, dass sie gefunden werden. Und zwar von den Menschen, mit denen ich in Kontakt treten will. Denen ich mich und meine Arbeit zeigen möchte.

Einerseits wollte ich also den Vorteil der zusätzlichen Reichweite nutzen. Andererseits hatte ich aber auch keine Lust, mich zu verbiegen, weil ‚man das so macht‘.

Wer sagt das eigentlich?

Manchmal ist die Lösung so dicht vor der eigenen Nase, dass man sie bei der Suche buchstäblich übersieht. Und nachdem ich in einem Gespräch mit einer Kollegin (die ganz wunderbar kreative Reels macht) wieder einmal überlegt hatte, dass ich dieses Format endlich auf meine Weise angehen will, fiel mir plötzlich eine Frage ein, die ich meinen Kund:innen sehr regelmäßig stelle: Wer sagt das eigentlich,…

  • …dass ich in Reels tanzen und schnipsen muss?
  • …dass ich lustige Kurzfilmen drehen muss?
  • …dass ich aufwändig produzieren muss?
  • …dass ich mich verstellen oder überwinden muss?
  • …dass ich Reels so machen muss wie alle anderen?

Und die Frage, die direkt danach kam: Wie könnte ich es stattdessen machen?

Mein erstes Reel thematisiert sich selbst.

Nur eine halbe Stunde nach besagtem Gespräch war mein erstes Reel live. Ich hatte kurzerhand meinen Zweifel am Format zum Thema gemacht. Mich 15 Sekunden unbewegt vor die Kamera gestellt, einen Song ausgewählt und als Text eingefügt:

Wer sagt eigentlich, dass man in Reels unbedingt rumtanzen oder mit den Fingern schnipsen muss?

Meine Antwort poppte dann ein paar Sekunden später auf:

Du bist richtig, genau so, wie du bist!

Ich war ehrlich gesagt extrem aufgeregt, was passieren würde. Und ich rechnete damit, dass erstmal gar nicht viel passieren würde. Doch ganz offensichtlich hatte ich da einen Nerv getroffen. Binnen Minuten kamen die ersten Kommentare und Direktnachrichten. So viel unmittelbare Rückmeldungen hatte ich bisher noch nie zu einem Instagram-Post bekommen. Und das blieb auch in den kommenden Stunden so.

Ein neuer Hashtag: #reelsohnemoves

In den folgenden Tagen veröffentlichte ich zwei weitere Reels und kreierte einen neuen Hashtag: #reelsohnemoves. Tatsächlich nutzten den bereits einige Menschen, um selbst ein ebensolches Reel zu veröffentlichen. Eines ohne Moves eben.

Die Kommentare und positiven Rückmeldungen kamen weiter. Meine insgesamt vier ersten Reels hatten bis zur Veröffentlichung dieses Blogartikelt zwischen 800 und 1.600 Ansichten. Zum Vergleich: einen durchschnittlichen Post von mir sehen momentan etwa 300 bis 400 Menschen. Das bedeutet für mich also eine enorme Steigerung meiner Reichweite. Auch die 600-Follower:innen-Marke habe ich in meiner ersten Reel-Woche geknackt.

Nur ein einziges Mal kam tatsächlich die Frage, die ich mir selbst so lange gestellt hatte. Warum die Reels dann nicht einfach ganz weglassen?

Reels machen sichtbar und…

Wenn ich Reels nutze, gewinne ich die Chance auf zusätzliche Reichweite, die Instagram diesen Reels zuspielt. Und aus Business-Sicht ist es dann einfach nur sinnvoll, das Format zu bespielen, da ich Instagram als meinen Fokus-Kanal nutze und mich und meine Arbeit dort zeigen möchte.

…#reelsohnemoves befreien vom ’so macht man das‘

Viel wichtiger als die vernünftige Entscheidung, ein Format zu nutzen, weil es gut für’s eigene Business ist, ist für mich aber etwas ganz anderes. Denn: Ein ‚Das macht man so oder so‘ ist der Grund dafür, dass viele Menschen sich nicht trauen, ihr Ding zu machen.

Menschen, die nicht so sind ‚wie alle anderen‘, stehen permanent vor einem Dilemma: Soll ich für mich gehen, für meine Persönlichkeit und meine Bedürfnisse? Oder soll ich für die Mehrheit gehen, für den Mainstream und die anderen?

No offense! Es gibt für mich hier kein richtig und falsch. Mein Job ist es am Ende des Tages, den Menschen, die das von mir hören möchten, zu zeigen: So, wie du bist, kannst du einfach sein. Und du kannst trotzdem oder GERADE DESWEGEN erfolgreich sein. In einer Expert:innengesellschaft leiden Multitalente so oft darunter, alles ein bisschen und nichts so richtig zu können. Dabei wird aus meiner Sicht vor allem eine entscheidende Fähigkeit viel zu wenig beachtet: die Fähigkeit, neue Wege zu gehen und andere Lösungen zu finden.

Reels als Sinnbild und Wachstum

Und so sind auch die #reelsohnemoves eine neue Herangehensweise an ein Thema, das ‚eigentlich‘ doch ganz anders gedacht war. Sie sind mein Statement für mehr Authentizität und Selbstbewusstsein. Im Business. Und anderswo.

Wenn ich mich regungslos vor meine Kamera stelle, dann spiele ich nicht. Ich entertaine nicht. Ich stehe einfach da.

Ganz ehrlich: Es fällt mir nicht leicht. Mein Atem beschleunigt sich, mein Herz klopft. Aber es fällt mir wesentlich leichter, als zu tanzen und zu schnipsen und in eine Rolle zu schlüpfen, die mir nicht entspricht. Wenn ich stehe, dann zeige mich so, wie ich bin. Ich stehe ein für meine Idee von Individualität und das Recht darauf, so zu sein.

Ich liebe die #reelsohnemoves, weil sie andere ermutigen, ebenfalls für sich und ihre Persönlichkeit einzustehen und ihr Ding zu machen.

Und wenn ich ganz ehrlich bin, dann sind sie vor allem eine enorme Erweiterung meiner eigenen Komfortzone. Und dieses persönliche Wachstum fühlt sich einfach nur großartig an!

Hintergrund: Eine Challenge mit ganz viel Boom, Boom, Blog

Wenn ich vorankommen möchte – und das gilt im Business genauso wie im ganz normalen Leben – dann hilft mir Gemeinschaft. Ich halte mich zwar für eine sehr motivierte Macherin, aber: viele meiner Projekte und Ideen hätte ich alleine nicht umgesetzt. Das gilt insbesondere für Themen, die einen langen Atem erfordern. Und dazu gehört für mich das Bloggen. Seit Anfang 2020 bin ich Mitglied in der Blogger Community „The Content Society“ der Texterin und Bloggerin Judith Peters. Gemeinsam mit 80 anderen blogge ich seitdem fast jede Woche – und es sind tatsächlich in den vergangenen Monaten 50 Blogartikel entstanden. Und natürlich wollte ich auch bei ihrem jüngsten Live-Blogger-Event dabei sein. Der Titel versprach Großartiges: Boom Boom Blog!

Über 1.000 (!) Menschen hatten sich zu dieser kostenlosen Challenge angemeldet mit dem Ziel, gemeinsam am 25. April 2021 ihren ersten (oder nächsten) Blogartikel zu veröffentlichen. Die ganze Woche über gab es eine detaillierte Anleitung, wie das Schritt für Schritt geht. Nun bin ich keine Blog-Einsteigerin mehr, aber ganz ehrlich: es gibt doch immer was zu lernen, oder? Also war auch ich dabei und startete am Montag, den 19. April 2021 mit all den anderen in ein gemeinsames Abenteuer.

Ich veröffentliche diesen Blogartikel einen Tag später als geplant. Das Leben und meine eigenen Prioritäten kamen dazwischen. Dazu gehört auch, dass ich mir ein Nachtarbeitsverbot erteilt habe. Aber nichts desto trotz war es wieder einmal eine großartige Erfahrung zu sehen, wie viele spannende Menschen und Themen es da draußen gibt – und dass wir alle viel mehr zu sagen haben, als wir vielleicht selbst glauben. Wenn wir uns einfach nur trauen…