Dieser so genannte ‚Rant‘ (dt. ‚Schimpftirade‘) ist Teil einer Blogparade, zu der meine Mentorin Judith Peters aufgerufen hat. Gemeinsam mit über 80 anderen Selbstständigen bloggen und texten wir in ihrer Sympatexter Academy seit Januar gemeinsam, was das Zeug hält. Und manchmal gehört es einfach auch dazu, seinem Ärger Luft zu machen. Konstruktiv natürlich. Mit Lösungen im Gepäck. Ich hab‘ da seit einiger Zeit auch so einen ‚Aufreger‘ …

Hast du denn bei der Überschrift gezuckt? Denn vielleicht bist du ja bei mir auf dem Blog gelandet, weil du mit dem Gedanken spielst, mich für ein Business-Coaching zu beauftragen. Und nun sage ich dir, dass ich es für rausgeschmissenes Geld halte?!

Versteh‘ mich nicht falsch: Ich bin selbst zertifizierte Business-Coachin, habe jahrelang in Marketing und Unternehmenskommunikation mit den klassischen Tools gearbeitet und weiß, dass sie wirken. Aber eben nicht immer und nicht für jede. Denn ich habe in den vergangenen Jahren auch erlebt, dass Coaches insbesondere in den Bereich Business-Strategie und Positionierung über den ‚klassischen‘ Marketingansatz niemals hinauskommen – und diesen halte ich aus verschiedenen Gründen für  kontraproduktiv, wenn der oder die Coachee (also die Coaching-Kundin) eine vielinteressierte Persönlichkeitsstruktur hat.

Was passiert, wenn Scannerpersönlichkeiten klassisch gecoacht werden?

Schauen wir zuerst mal auf die Coaching-Branche und das, was ich dort immer wieder beobachte. Da sind sie also, die Gründerinnen und Selbständigen mit mehreren Standbeinen, ganz unterschiedlichen Projekten und 1.000 Ideen. Scannerpersönlichkeiten, Vielbegabte, Multipreneure – es gibt unzählige Begriffe und Selbstbeschreibungen.

Sie möchten sich ein Business aufbauen, ihre Positionierung finden, neue Angebote entwickeln, strategisch wachsen. Sie suchen und finden einen Business-Coach, sie vereinbaren einen ersten Termin. Und dann geht es auch schon los:

  • Auf welchen Bereich möchtest du dich konzentrieren?
  • Wofür entscheidest du dich?
  • Du musst dich spitz positionieren!
  • Du musst deine möglichst kleine Nische finden!
  • Du kannst nur auf einem Gebiet Expertin sein!

Vom ersten Moment an geht es im Coaching häufig darum, einzugrenzen, auszuwählen, wegzulassen. Ein Ansatz, der in vielbegabten Menschen nur mit Beklemmung und sogar Panik einhergehen kann.

Nun können meiner Erfahrung nach zwei Dinge passieren:

  1. Die Coachee vertraut dem Prozess und entscheidet sich (weil so macht man das ja). Endlich scheint der Traum von DEM EINEN Projekt Realität zu werden! Sie stürzt sich voller Begeisterung in die erarbeitete Nische, formuliert die Positionierung nadelspitz und arbeitet mit Begeisterung an der Umsetzung. Aber nur für ein paar Wochen oder Monate…
    Plötzlich ist da wieder dieses Gefühl der Langeweile. Gierig wird auf all die Dinge geschielt, die jetzt eben nicht mehr ‘sein dürfen’. Neue Dinge schleichen sich ein, es wird verzweifelt versucht, sie in die teuer erarbeitete Strategie hineinzupressen (was nur mäßig gelingt). Und irgendwann hilft nur noch das schmerzhaften Eingeständnis, dass es wieder nicht passt. Trotz Business-Coaching.
  2. Oder das Bauchgefühl rumort von Beginn an. Der Prozess gerät ins Stocken. Trotzdem fällt die Entscheidung für einen Schwerpunkt (weil: so macht man das ja). Aber nur für ein paar Wochen oder Monate…
    Dann keimt langsam der Wunsch nach Neuem. Das Projekt verliert seinen Reiz. Die Suche geht (wieder einmal) von vorne los, und mit ihr kommt das lähmende Gefühl, auch dieses Mal wieder versagt zu haben, nicht endlich DAS EINE gefunden zu haben.

Die Szenarien beginnen unterschiedlich. Am Ende stehen aber bei beiden Frust, Selbstzweifel, das Gefühl, versagt zu haben und nicht zuletzt der Ärger, ‚dafür‘ viel Geld bezahlt zu haben.

Wie sieht ‚gutes‘ Business-Coaching für Vielbegabte aus?

Es gibt Coaches, die Vielbegabte gut begleiten können. Weil sie wahrscheinlich selbst vielbegabt sind und verstanden haben, dass sie im Coaching mit Scannerpersönlichkeiten andere Tools anwenden müssen, als in konventionellen Business-Coachings.

Doch mir reicht das nicht! Business-Coaching für Multipreneure basiert für mich auf der Überzeugung, dass Vielseitigkeit DIE Stärke ist, um die sich der gesamte Prozess nicht nur dreht, sondern auf der er basiert. Die Vielseitigkeit ist also keine Rahmenbedingung, die irgendwie integriert werden muss (um am Ende doch eine Art Nische zu finden…), sondern sie ist der Kern des gesamten Prozesses. Es muss das oberste Ziel sein, diese Vielseitigkeit zu ermöglichen und gleichzeitig den Rahmen zu schaffen, in dem sie konsistent sichtbar und erklärbar wird.

Mit dieser Komplexität sind viele Coaches nicht nur überfordert, sie sehen sie schlichtweg nicht. Das Ergebnis: ‘herkömmliche’ Rezepte werden genutzt, um Strategien zurechtzubiegen, die mittelfristig zum Scheitern verurteilt sind.

0/8/15 Positionierung funktioniert für Multipreneure nicht!

Ich habe hier schon einmal darüber gebloggt, was für Selbstständige mit mehreren Standbeinen statt der klassischen Wege gut funktionieren kann. Schritt für Schritt kannst du so eine klare, konsistente Positionierung umsetzen:

  1. Identifiziere deine Lebensthemen. Das sind die Themen, die dich schon lange begleiten (und das mit großer Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft tun werden).
  2. Definiere einen so genannten Content Hub, also einen Kanal, auf dem du deinen originären Content erstellst. Besonders geeignet dafür sind ein Blog, Podcast oder Vlog.
  3. Mache deine Themen und Kombinationen transparent. Lass‘ andere hinter deine Kulissen blicken und erkläre, warum deine unterschiedlichen Themen für dich zusammenhängen.
  4. Du bist ein Gesamtkunstwerk. Überzeuge die Menschen, die du erreichen willst, von dir als Person. Erst im zweiten Schritt geht es dann um konkrete Angebote.
  5. Und ja, bei deine konkreten Angebote ist spitz denken absolut erlaubt! Verbinde deine Themen zu einem einzigartigen Angebot. Oder setze für einen gewissen Zeitraum Schwerpunkt (z.B. für einen Monat, ein Quartal, ein Halbjahr).
  6. Verkaufe nicht zuviel zur gleichen Zeit. Ein konkretes Produkt pro Standbein reicht. So überforderst du dich nicht – und noch viel wichtiger, auch deine Kunden nicht.

Erkennst du dich in den Themen dieses Artikels wieder? Hast du vielleicht sogar schon ähnliche Erfahrungen mit Business-Coaching gesammelt und möchtest es liebend gerne anders machen?

Im September startet die nächste Runde ‚Positionierung für Multipreneure‘. Gemeinsam mit anderen selbstständigen Multitalenten erarbeitest du dir in sechs Wochen die klare und konsistente Positionierung, die du selbstbewusst nach außen kommunizieren kannst.

Genau danach suchst du? Dann schreib‘ mir eine E-Mail an julia@juliamack.de.