Morgen beginnt Woche 2 im Corona-Ausnahmezustand. Ich bin sehr gespannt, ob wir in den kommenden Tagen eine Balance finden können, ob sich ein Rhythmus einspielt, der für uns zu einem neuen Normalzustand werden könnte. Meine Erfahrungen mit Veränderungen sowohl in unserer Familie als auch im beruflichen Kontext lassen mich vermuten, dass wir alle noch ein wenig Geduld mit uns haben müssen. Geduld und auch die Flexibilität, mit neuen Gegebenheiten immer und immer wieder einen neuen Umgang zu finden.

In unserem Umfeld jedenfalls ist einiges in Bewegung: Menschen werden erfinderisch, probieren neue Wege aus, zusammenzukommen. Ich erlebe die Stimmung als sehr konstruktiv und solidarisch. Weil wir alle wissen, dass momentan Improvisationstalent gefragt ist, erwarten wir nicht überall perfekte Lösungen. Und das nimmt den Druck raus. Den haben wir auf anderen Ebenen aktuell mehr als genug.

Unsere Tochter beispielsweise testet morgen zum ersten Mal virtuellen Gitarrenunterricht mit ihrem Musiklehrer. Ein Experiment, das sie unheimlich spannend findet. Ich finde es genial, wie neugierig unsere Kinder mit Veränderungen umgehen. Wir sprechen offen darüber, was im Moment passiert und warum wir jetzt alle zuhause bleiben, Kindergarten und Schule geschlossen sind, wir die Lieblingscousine und den Lieblingscousin nicht treffen können und Oma und Opa auch nicht.

Apropos Oma und Opa: Mit meinen Eltern haben wir heute zum ersten Mal per Video telefoniert. Sie wohnen nur ein paar Kilometer von uns entfernt, darum haben wir normalerweise fast täglich Kontakt uns sehen uns mehrmals die Woche. Nun ist das anders, und wir wollten ihnen zeigen, wie unser kleiner Sohn seine ersten Gehversuche an der Hand macht. Er ist dann zwar gar nicht wirklich gelaufen, weil er unbedingt das Handy haben wollte (Vorführeffekt…), aber es war einfach schön, ein Gesicht zur Stimme zu sehen, gemeinsam zu lachen und ein paar Minuten miteinander zu teilen.

Und dann mischt sich ein kleines Bisschen Sehnsucht in meinen Optimismus, und ich freue mich auf den Tag, an dem wir uns wieder am Küchentisch mit einer Tasse Kaffee gegenübersitzen.