Tag 1 im Corona-Ausnahmezustand: 13 Uhr, alle vier Kinder sind zuhause, drei spielen, eins schläft, die Sonne scheint, ich sitze auf dem Balkon und es könnte sich nach Urlaub anfühlen. Könnte. Der Laptop auf meinem Schoß ist nicht das Problem. Ich schreibe auch im Urlaub, bastle an neuen Projekten oder entwickle Kommunikationskonzepte.

Das Problem im Moment ist meine Ratlosigkeit, wie ich mich zur aktuellen Situation verhalten soll und will. Mir geistert einiges im Kopf herum: Dass drei enge Familienangehörige ein hohes gesundheitliches Risiko haben und ich mich um sie sorge. Dass wir unfassbar privilegiert sind, weil ich einfach noch mit Baby zuhause bin und sich die finanziellen Einbußen fürs Erste in Grenzen halten. Dass Corona uns vor Augen führt, welche Schattenseiten die Globalisierung hat. Dass wir als Gesellschaft eine so wichtige Lektion in Sachen Solidarität und Zusammenhalt lernen könnten. Dass manche Menschen sich gerade jetzt extrem egoistisch verhalten und andere gefährden. Dass ich alleine vergangene Woche drei Anfragen für Online-Projekte hatte, die sich so spannend anhören. Dass wir die Betreuung unserer Kinder und die Pflege unserer Angehörigen mehr schätzen und besser bezahlen müssen (ja, wir alle – DIE Gesellschaft besteht nämlich aus UNS). Dass die Politik schnell handeln kann, wenn es sein muss – und warum tut sie das eigentlich nicht in Bezug auf den Klimawandel? Und wer kümmert sich jetzt um die Flüchtlinge an Europas Grenzen, wenn die größte Sorge zu sein scheint, woher wir noch Klopapier bekommen?

Diese und eintausend weitere Gedanken fahren in meinem Kopf Karussell. Und nun schreibe ich. Schreibe gegen Fragen, auf die es (noch) keine Antwort gibt und gegen das Gefühl, nichts zu tun. Schreibe, um Gedanken zu sortieren und Platz zu schaffen für neue, die mich vielleicht einen Schritt weiterbringen. Schreibe, um mich auszutauschen, mit den unterschiedlichen Stimmen in mir selbst und mit den Stimmen anderer.

Und jetzt? Für manche bedeutet die aktuelle Situation extrem harte Einschnitte, für andere ändert sich kaum etwas. Ich möchte mit Ruhe, Rücksicht und Optimismus auf die kommenden Wochen schauen. Schreibend. Um mich zu strukturieren, den Fokus zu halten, im Moment sein zu können. Weil dieser Ort hier meine Gedanken aufnimmt und für mich auf sie aufpasst, während ich mit meinen Kindern ein Eis esse.